CampingstudieNews-Meldung vom 26.06.2014

Studie zu Entwicklungschancen des Campingtourismus in Mecklenburg-Vorpommern vorgestellt

Wirtschafts- und Tourismusminister Harry Glawe hat am 27.05.2014 in Schwerin die Studie „Entwicklungschancen des Campingtourismus in Mecklenburg-Vorpommern“ im Rahmen der Landespressekonferenz vorgestellt. „Mecklenburg-Vorpommern hat es geschafft, eine Spitzenposition und Vorreiterrolle in Deutschland aufzubauen. Kräftige Investitionen, Innovationen sowie zahlreiche Qualifizierungs- und Entwicklungsprojekte haben sich langfristig ausgezahlt. Dies gilt es zu halten und wo es nötig ist auch auszubauen. Der gute Ruf als eines der führenden Campingländer muss immer wieder erarbeitet werden“, sagte der Minister für Wirtschaft, Bau und Tourismus Harry Glawe. Im bundesweiten Camping-Ranking lag M-V im Jahr 2013 mit 3,82 Millionen Übernachtungen im Touristikcamping auf Platz 2 nach Bayern mit 4,48 Millionen Übernachtungen. Damit lag das Land vor dem unmittelbaren Wettbewerber Schleswig-Holstein (3,06 Millionen). Betrachtet man lediglich die Campingnachfrage aus dem Inland, liegt MV bei den Übernachtungen im vergangenen Jahr sogar knapp vor Bayern (3,79 Millionen in MV und 3,74 Millionen in Bayern).

„Die Studie bringt wertvolle Erkenntnisse für den weiteren Ausbau des Campingtourismus. Sie zeigt zugleich, wie wettbewerbsfähig und wertvoll dieser Bereich mit Kurzzeit- und Dauercampern sowie Wohnmobilisten für das Tourismusland Mecklenburg-Vorpommern ist. In den kommenden Jahren wird es mit Investitionen und Innovationen weiter darum gehen, die Saison früher zu beginnen und später enden zu lassen. Außerdem sollten mehr ausländische Gäste gewonnen werden“, betonte der Präsident des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern, Jürgen Seidel. 

Nachfrage, Trends, Marketing und wirtschaftliche Bedeutung
Untersucht wurden der Campingmarkt, sowohl das Angebot als auch die Nachfrage, genauso wie Trends, das Marketing und die wirtschaftliche Bedeutung. Im Ergebnis wurde eine strategische Positionierung 2020 mit Empfehlungen an die Campinganbieter, Touristiker sowie Politik und Verwaltung zum weiteren Ausbau dieses touristischen Marktsegmentes gegeben. Mit dem Gutachten werden wichtige Fragen beantwortet nach der Höhe des Marktvolumens, wer heute campt, was alle Camper benötigen, was sie vor Ort machen und welche Trends im Camping nachgefragt werden.

385 Campingeinrichtungen im Land - 6,26 Millionen Übernachtungen
Insgesamt gibt es in Mecklenburg-Vorpommern 358 Campingeinrichtungen. Diese verfügen über rund 40.000 Stand- und Stellplätze. 6,26 Millionen Übernachtungen sind in 2012 erzielt worden. Dies entspricht einem Marktanteil von 17,5 Prozent aller touristischen Übernachtungen. „Ein Großteil der Einrichtungen liegt an der Ostseeküste und in der Mecklenburgischen Seenplatte. Mit den Dauercampern, den bisher nicht erfassten Campingplätzen und Wohnmobilstellplätzen ist fast die Hälfte an Übernachtungsvolumen dazugekommen, was bisher in sämtlichen Betrachtungen zum Campingtourismus noch nicht berücksichtigt wurde. Eine solche Untersuchung gab es in Deutschland bisher nicht“, betonte Glawe (2012: 3,8 Millionen Übernachtungen entspricht Wert der amtlichen Beherbergungsstatistik, hinzu kommen 80.000 Touristikcampingübernachtungen auf bisher nicht erfassten Campingplätzen, zwei Millionen Dauercampingübernachtungen sowie 300.000 Übernachtungen auf ausgewiesenen Wohnmobilstandplätzen. Insgesamt rund 6,26 Millionen Übernachtungen).

„Camping ist längst nicht nur etwas für Menschen, die vergleichsweise wenig Geld ausgeben wollen oder können. Zurück zu Natur, Individualität und Ursprünglichkeit, das wollen viele Urlauber von heute. Die Campingbranche unseres Landes bietet genau das - und dazu viele moderne Plätze in erstklassiger Lage an der Ostsee oder an Seeufern. Familien, Paare und Gruppen fühlen sich davon angesprochen“, sagte der Präsident des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern, Jürgen Seidel.

Camping ist erschwinglich in MV
Im Durchschnitt müssen zwei Personen und ein Kind pro Tag mit Ausgaben in Höhe von 20,80 Euro bis 22,90 Euro für den touristisch ausgestatteten Standplatz inklusive Nebenkosten kalkulieren. Bei einfachen Campingplätzen beginnen die Preise bei 4,00 Euro. „Camping ist bei uns im Land erschwinglich. Gefragt sind gut ausgebaute Plätze mit einem vielfältigen Serviceangebote und hervorragender Ausstattung. Moderne, umweltbewusste Anlagen bringen zusätzlich Urlauber ins Land“, betonte Glawe. Animationsangebote, Indoor-Spielbereiche, Wellnessanlagen, Einkaufsmöglichkeiten sind mittlerweile bei größeren Anlagen Standard-Ausstattung.

Wirtschafts- und Arbeitsmarktfaktor Campingtourismus
Der Brutto-Umsatz im Camping-Tourismus liegt bei rund 212 Millionen Euro (Jahr 2012). Die durchschnittlichen Tagesausgaben beim Gastgewerbe inkl. Standplatz betragen rund 18,40 Euro, im Einzelhandel bei 12,20 Euro sowie übrige Dienstleistungen bei 3,20 Euro. „Camping ist ein erheblicher Wirtschaftsfaktor, weil Campinggäste vor allem auch die regionale Wirtschaft unterstützen. Neben den Ausgaben für den Standplatz werden von Campinggästen Ausgaben für Restaurant oder Cafébesuche, Bäcker, Fleischer, Ausgaben für Unterhaltung, Freizeit (z.B. Eintrittspreise bei öffentlichen Einrichtungen und sportlichen sowie kulturellen Veranstaltungen) getätigt. Aber auch Kurtaxe und Parkgebühren sind Einnahmen vor Ort. Das wird von regionalen Entscheidungsträgern oft auch unterschätzt“, sagte Glawe. Die Einkommenseffekte betragen 93,5 Millionen Euro und das Steueraufkommen für Mehrwert- und Einkommenssteuer 20,8 Millionen Euro. In der Branche sind ca. 5.500 Personen beschäftigt.

Unterstützung des Campingtourismus
174 gewerbliche Investitionsmaßnahmen auf Campingplätzen wurden seit 1990 mit rund 120 Millionen Euro unter anderem aus Mitteln der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftstruktur“ (GRW) einschließlich Mittel des „Europäischen Fonds für regionale Entwicklung“ (EFRE) unterstützt. „Mecklenburg-Vorpommern ist nicht nur ein Urlaubsland mit Spitzen-Hotels, Top-Wellnessanlagen und Super-Marinas. Wir sind auch ein Land mit modernen und komfortablen Campingplätzen dank der vielen engagierten Campingunternehmen im Land. Investitionen auf Campingplätzen werden auch zukünftig im Rahmen der gewerblichen Förderung unterstützt. Um die starke Saisonabhängigkeit im Campingsegment abzumildern, müssen saisonverlängernde Maßnahmen und Themen wie Wintercamping entwickelt und vermarktet werden“, forderte Glawe. Unterstützt wurden in den vergangenen Jahren auch Maßnahmen von Qualifizierungs- und Entwicklungsprojekten, z. B. im Qualitäts- und Umweltmanagement, Bildungsmaßnahmen zur Nachhaltigkeit auf Campingplätzen, ECOCAMPING zur Verbesserung der unternehmerischen Leistungsfähigkeit in den Bereichen Umweltschutz, Sicherheit und Qualität, Erarbeitung von Kriterien für klimafreundliche Betriebe, Naturerlebnis auf Campingplätzen, gefördert.

Demografischer Wandel – Umbruch mit Herausforderungen
Die Campingbranche muss sich stetig weiterentwickeln. „Aufgrund des demografischen Wandels erfolgt ein weiterer Umbruch in der Branche. Wir müssen uns den neuen Ansprüchen und Anforderungen der Gäste, vor allem jungen Familien und Senioren stellen. Der wachsenden Nachfrage muss insgesamt für alle Zielgruppen mit attraktiven Angeboten begegnet werden“, betonte Glawe abschließend. Als für die Camping-Branche wichtige Entwicklungen und Trends wurden unter anderem Themenfelder wie Touristikcamping mit steigender Nachfrage; Caravaning-Tourismus mit mehr Flexibilität und Individualität beim Reisen, eine wachsende Nachfrage nach Miet- bzw. Chartereinheiten als Einstiegsprodukte für Neukunden hervorgehoben. Interessante Nischenprodukte wie „Glamping“ (=Zusammenfügung von „Glamorous“ und „Camping“ = Verknüpfung von Luxus und Stil mit Naturnähe und Unkompliziertheit) oder „Camping auf dem Wasser“, die sich zur Produkterweiterung und Neukundenakquise in Mecklenburg-Vorpommern anbieten, gewinnen ebenso an Bedeutung. Das Qualitätsmanagement und die Qualitätsbewertung werden immer individueller und somit an die immer differenzierter werdenden Ansprüche der Gäste angepasst.

Als für das Campingsegment besonders relevante Zielgruppen in Mecklenburg-Vorpommern wurden die Aktiven/Sportiven und die Familien mit Kindern benannt. Hier sind ein zielgruppengerechtes Produkt und das entsprechende Marketing von großer Bedeutung.

Zur Studie
Die Studie wurde durch das Wirtschaftsministerium beauftragt. Die Kosten belaufen sich auf rund 40.000 Euro. Auftragnehmer war die Nordostdeutsche Fremdenverkehrs- und Marketing GmbH Rostock. In die Projektbearbeitung wurde die dwif Consulting GmbH München als Unterauftragnehmer eingebunden. Die Erarbeitung der Studie erfolgte in Kooperation mit dem Tourismusverband MV e.V. und dem Verband für Camping- und Wohnmobiltourismus MV e.V. Ebenso wurde eine projektbegleitende Arbeitsgruppe unter Federführung des Tourismusreferates im Wirtschaftsministerium eingerichtet. Hierzu gehören der Verband für Camping- und Wohnmobiltourismus MV e.V., der Bundesverband der Campingwirtschaft Deutschland und der Tourismusverband MV e.V.

Campingplätze in Mecklenburg-Vorpommern:

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